Die zunehmende Hitze und Trockenheit in Obertshausen
bereiten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen große Sorge. Die Entwicklungen der
vergangenen Wochen zeigen deutlich: Die Folgen der Klimakrise sind längst vor Ort
angekommen. Deshalb muss die Stadt schneller und entschlossener handeln, als dies
bislang geschieht.
Ausgetrocknete Böden, erhebliche Schäden im Stadtwald, weitgehend unbeschattete
Straßen und Schulhöfe sowie zeitweise nicht nutzbare Trinkbrunnen machen deutlich,
wie groß der Handlungsbedarf ist. Auch der Vegetationsbrand nahe dem
Sonnentauplatz hat gezeigt, welche Gefahren mit anhaltender Hitze und Trockenheit
verbunden sind.
„Hitze ist in Obertshausen keine abstrakte Zukunftsfrage mehr. Sie betrifft schon heute
unsere Kinder, ältere Menschen, den Stadtwald und alle, die sich im öffentlichen Raum
bewegen. Wir müssen jetzt handeln und dürfen notwendige Maßnahmen nicht immer
weiter verschieben“, erklärt Alexander Roth, Fraktionsvorsitzender.
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen wird das Thema deshalb in der nächsten
politischen Beratungsrunden mit mehreren Anfragen und konkreten Anträgen auf die
Tagesordnungen setzen. Ziel ist es, zu erfahren, welchen Plan die Stadtverwaltung zur
Hitzevorsorge verfolgt, welche Maßnahmen bereits umgesetzt wurden und was in den
kommenden Monaten konkret vorgesehen ist.
Hitzevorsorge und Klimaanpassung auf den Prüfstand
Mit einer umfassenden Anfrage erkundigen sich die Grünen nach kurzfristigen
Schutzmaßnahmen, Trinkwasserangeboten, kühlen Aufenthaltsorten und Hilfen für
besonders gefährdete Menschen. Außerdem wollen sie wissen, ob Obertshausen über
einen Hitzeaktionsplan verfügt, wie weit die kommunale Klimaanpassungsstrategie
umgesetzt ist und welche finanziellen Mittel sowie Förderprogramme genutzt werden.
Auch die Beteiligung des Klimabeirats und die geplanten Schritte der kommenden 12 bis
24 Monate werden thematisiert.
„Wir erwarten eine nachvollziehbare Bestandsaufnahme mit konkreten Zielen,
Zuständigkeiten und einem verlässlichen Zeitplan. Schon jetzt sind alle Einwohnerinnen
und Einwohner durch Aufrufe zum Wassersparen, Sperrungen von Parks und des
Stadtwalds wegen der Waldbrandgefahr sowie Absagen von Veranstaltungen aufgrund
der Hitze betroffen. Allgemeine Absichtserklärungen reichen angesichts dessen nicht
mehr aus und die Lösung kann nicht sein, die Verantwortung auf die Bürgerinnen und
Bürger als Privatpersonen abzuwälzen“, betont Magdalena Carbow, Stadtverordnete.
Schattige Wege und bessere Informationen
Eine weitere Anfrage beschäftigt sich mit einem sogenannten hitzemeidenden Routing.
Eine solche digitale Anwendung könnte Fußgängerinnen und Fußgängern möglichst
schattige Wege sowie kühle Orte, Trinkwasserstellen, Toiletten und andere wichtige
Einrichtungen anzeigen. Gleichzeitig könnten die gewonnenen Erkenntnisse der
Stadtplanung Hinweise geben, wo Bäume, Entsiegelung, Verschattung oder zusätzliche
Sitzgelegenheiten besonders dringend benötigt werden.
Dass diese Idee praktisch umsetzbar ist, zeigt eine Anwendung des Heidelberg Institute
for Geoinformation Technology. Sie berechnet auf Grundlage hochaufgelöster
Schattendaten möglichst schattige Fußwege und wird bereits für zahlreiche deutsche
Städte angeboten. Das Institut sucht zudem Kommunen, die eine Weiterentwicklung mit
lokalen Daten unterstützen möchten.
„Digitale Angebote ersetzen keine Bäume und keine Entsiegelung. Sie können aber
Menschen unmittelbar unterstützen und zugleich sichtbar machen, an welchen Stellen
unserer Stadt besonders großer Handlungsbedarf besteht“, sagt Magdalena Carbow.
Schattige Sitzplätze am Busbahnhof
Mit einem Antrag fordern die Grünen außerdem ausreichend Sitzgelegenheiten im
Schatten am Busbahnhof Obertshausen. Die vorhandenen Wartebereiche bieten derzeit
keinen ausreichenden Sonnenschutz. Deshalb soll zunächst geprüft werden, ob bereits
vorhandene, nicht mehr benötigte Bänke durch den Bauhof unter die dortigen Bäume
umgesetzt werden können.
„Wer auf den Bus wartet, soll nicht gezwungen sein, in der prallen Sonne zu stehen oder
auf dem Boden unter einem Baum Schutz zu suchen. Schattige Sitzplätze sind eine
kleine, schnell umsetzbare Maßnahme mit unmittelbarem Nutzen“, so Heike Fischer,
Stadtverordnete.
Kommunen brauchen Unterstützung, müssen aber selbst aktiv werden
Die Grünen im Hessischen Landtag fordern ein Sofortprogramm zur Klimaanpassung.
Besonders geschützt und unterstützt werden sollen unter anderem Krankenhäuser,
Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kindertagesstätten und Rettungswachen. Dazu verlangen
sie verlässliche finanzielle Hilfen für Kommunen und soziale Träger.
Auch die grüne Bundestagsfraktion setzt sich für kühlere und grünere Städte, kühle
Räume, einen besseren Schutz gefährdeter Menschen sowie verbindliche kommunale
Hitzepläne und eine ausreichende Finanzierung durch Bund und Länder ein.
„Bund und Land müssen die Kommunen finanziell unterstützen. Obertshausen darf
darauf aber nicht einfach warten. Wir müssen bestehende Möglichkeiten nutzen,
Fördermittel beantragen und Maßnahmen priorisieren, die den Menschen
