Erinnerungskultur

Antrag: Zwangsarbeiter in Obertshausen

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen stellt einen Antrag in der Stadtverordnetetenversammlung, wie an die Zwangsarbeiter während des 2. Weltkrieges gedacht werden kann.

Beschlussempfehlung:

Der Magistrat prüft und berichtet, wie in geeigneter Weise an die Zwangsarbeiter in Obertshausen erinnert werden kann. Angemessen wäre ein Hinweisschild oder ein Gedenkstein an einem gut frequentierten und würdigen Ort.

Begründung:

Die Veröffentlichung der neuen Stadtchronik Obertshausen bietet die gute Gelegenheit, an das Schicksal von mehreren Hundert Zwangsarbeitern in Obertshausen zu erinnern. In der Chronik sind Hinweise für beide Stadtteile enthalten.

„Insgesamt sollen sich in Obertshausen und Hausen sechs Lager befunden haben. Neun bis zehn Stunden am Tag und sechs bis sieben Tage in der Woche mussten die Menschen arbeiten. Die Entlohnung war gering, mit dem Geld konnten sie ohnehin nichts anfangen. Die Verpflegung war ebenfalls ungenügend, im Hausener „Russenlager“ wurde gehungert. Über die Behandlung der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen durch die Hausener Behörden und die örtliche Bevölkerung ist nicht viel bekannt.“[1]

Weitere Einzelheiten beschreiben das Leben und Arbeiten in den Lagern und den Einsatzorten: „Die Zahl der in Hausen untergebrachten bzw. beschäftigten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen nahm in Verlaufe des Krieges stetig zu. Am 19. April 1945 waren allein im Lager W. 301 „Ostarbeiter“ untergebracht, davon 11 Kinder unter 14 Jahren. Beschäftigt wurden die Fremdarbeiter in Hausen u.a. in einer Metallwaren-Fabrik und Metallgießerei, in einem Betrieb für „Hoch-, Tief-, Beton-, Eisenbeton- und Straßenbau sowie in einem ‚Dampfsägewerk und Holzbehandlung‘. Untergebracht waren die Arbeitskräfte der Metallwarenfabrik einerseits in einem firmeneigenen Lager („Ostarbeiter“) sowie im ‚Klubgebäude des Fußballklubs Teutonia‘ bzw. im ersten Stock einer Bäckerei (die „Franzosen“). Die Hoch- und Tiefbaufirma besaß ebenfalls ein eigenes „Ostarbeiterlager“ (in der Bernardstraße) sowie ein Lager für die französischen Kriegsgefangenen (in der Adolf-Hitler-Straße).“[2]

An dieses düstere Kapitel der jüngeren Geschichte unserer Stadt sollte in geeigneter und würdiger Weise erinnert werden. Um den Kostenrahmen für die Stadt gering zu halten, sollen Sponsoren für das Vorhaben gewonnen werden.

[1] Werner, Klaus (1993): Obertshausen und Hausen im Dritten Reich 1933-1945, Darstellung und Dokumentation, hrsg. vom Magistrat der Stadt Obertshausen, Seite 143

[2] Füllgrabe, Jörg/Werner, Klaus (1993): Chronik der Stadt Obertshausen. Obertshausen und Hausen im Strom der Zeit, hrsg. vom Magistrat der Stadt Obertshausen, Seite 211 f.

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