Obertshausen – Rund 40 Bürgerinnen und Bürger nahmen am Samstag an einem historischen Winterspaziergang durch den Stadtteil Hausen teil. Im Mittelpunkt stand der bislang namenlose Platz zwischen Kapellenhof und *La Corona – ein Ort, an dem sich während der Zeit des Nationalsozialismus mehrere Lager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter befanden.
Der Rundgang wurde von Oliver Bode und Dr. Klaus-Uwe Gerhardt (Grüne) initiiert. Anlass war ein Antrag der Grünen im Stadtparlament zur Benennung des Platzes als Erinnerungsort, der aus Sicht der Initiatoren dem historischen Gewicht dieses Ortes nicht gerecht wird. Ein Ort systematischer Entrechtung und Ausbeutung darf nicht namenlos bleiben – gerade in Zeiten erstarkender rechter Tendenzen.
In den vergangenen Tagen jährte sich zudem die Befreiung von Auschwitz. Dies unterstreicht die Aktualität des Anliegens, auch in Obertshausen an die Zwangsarbeit von über 750 Menschen zu erinnern. Bei einer damaligen Einwohnerzahl von rund 1.500 Personen in Hausen war die Präsenz der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter unübersehbar – zumal viele männliche Einwohner kriegsbedingt abwesend waren. Zeitweise stellten die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter vermutlich einen erheblichen Teil der Bevölkerung. Hinzu kamen jüdische Zwangsarbeiter aus Steinheim, die in Hausen eingesetzt wurden. Die verbreitete Nachkriegserzählung „Wir wussten von nichts“ erweist sich vor diesem Hintergrund als Mythos.
Die fachkundige Führung übernahm Armin Paul, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsverein Obertshausen. Er erläuterte die lokalen Strukturen der NS-Zwangsarbeit, unter anderem an den Standorten Kapellenhof sowie Steinheimer Straße / Feldstraße im Umfeld der damaligen Betriebe Wolf & Becker sowie Hugo bzw. Adam Vetter. Diese Orte sind auch Teil des Obertshäuser Geschichtspfads (Tafel H10).
Im Anschluss an den Spaziergang wurde der Austausch im Café K fortgesetzt. Der Winterspaziergang war Teil eines kontinuierlichen Engagements für eine sichtbare und würdige Erinnerungskultur im öffentlichen Raum.
(siehe auch Bericht in der Offenbach Post)